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Die ewige Suche nach dem Gral

Samstag, den 14.05. , war es schwarz auf weis in einer österr. Zeitung zu lesen. In Österreich herrscht der Pflegenotstand. Österreich wird von ausländischem Pflegepersonal überschwemmt. In der Pflege herrscht der Pfusch. Qualifiziertes Personal bekommt keine Anstellung.fficeffice" />


Mein erster Gedanke war, gut dass es nicht Freitag der 13. war, an dem diese Reportage veröffentlicht wurde. Aber der Reihe nach und zuvor noch eine Klarstellung. Ich wage es nicht die Situation in einem Altenwohnheim aufgrund von Zeitungsartikeln zu beurteilen. Das wäre schlicht und einfach unseriös.


 


Angefangen hat es mit einem Artikel im Lokalteil dieser Zeitung. Ein örtlicher Politiker prangerte Misshandlungen an einem Bewohner im Altenheim an. Kurz darauf die Reaktion des Rechträgers des Altenwohnheimes, bei uns ist alles in Ordnung. Wieder ein Artikel, die Staatsanwaltschaft soll den Vorfall prüfen. Reaktion: Personal ist im Dauerstress zu viele Überstunden müssen geleistet werden. Solche Vorfälle seien vorprogrammiert.


 


Wie war die erste Reaktion – bei uns ist alles in Ordnung -  oder doch nicht. Aussagen wie zu wenig Personal, keine Zeit für ordentliche Pflege, Kompetenzstreitigkeiten und dazu wird noch der Markt von Pflegehelfern überschwemmt, denen die Voraussetzungen zum Umgang mit schweren Pflegefällen fehlen.


 


Interessant ist hier auch die Reaktion des Verantwortlichen in der Landesregierung. Es sei keine Auffälligkeit in der Personalsituation zu sehen, sämtliche Standards werden eingehalten. Das Gegenteil ist der Fall, es gibt, zitiere: „eher eine Überbesetzung an Diplompflegern im Vergleich zu den Pfleghilfskräften und dem angelernten Personal „.


 


Angeboten wurde seitens der Landesregierung eine Supervision für die Mitarbeiter, Weiterbildung für die Mitarbeiter und Superversion sollte in den Institutionen selbstverständlich sein.  Teamsupervision ist wichtig und hilft den Mitarbeitern  das Miteinander, um die Zusammenarbeit, um Konflikte, Störungen und Klärungen, zu bewältigen.


 


Wie anfangs gesagt, hier Lösungsvorschläge anhand von Zeitungsartikeln zu bringen, ist unseriös. Dazu wäre eine Begutachtung des Heimes notwendig.


 


Der zweite Gedanke war, das ist ja alles nichts Neues.


 


Artikel Mai 1997:


Pflege das Zukunftsproblem Zitat: „Zeiten, in denen nicht pflegebedürftige Menschen in Altenwohnheimen wohnen, sind vorbei. „


Zitat: „Insgesamt werden für die Versorgung Pflegebedürftiger bis 2010 bis zu 700 zusätzliche Vollzeitarbeitsplätze notwendig sein.“


 


Artikel Dezember 1997


Senioren als Faustpfand  Zitat: „wieder einmal sind Vorwürfe gegen ein Altenheim auf dem Tisch. Wieder einmal gibt es Streit, Schuldzuweisungen, Dementis. Wieder einmal verlautet vom Land, man wisse um die Probleme, könne aber nicht viel tun. „


 


Artikel Februar 2002


Kampf gegen Billiganbieter


 


Ein Hilfsdienst leitet rechtliche Schritte gegen ausländische Anbieter von Pflege ein. Vom Hilfsdienst musste Mitarbeiter gekündigt werden, Gründe dafür seien die Abwanderungen von Kunden in den Schwarzmarkt.


 


Artikel  15 April 2002


Ausländerstopp verschärft die Lage


 


Mehr Ausbildungsplätze und weniger Barrieren für ausländische Kräfte in der Pflege fordert ein Politiker.  Zitat:“hinderlich sei die Absicht der Bundesregierung, nur Arbeitskräfte mit einem Mindesteinkommen von € 1960. - nach Österreich zu lassen. Im Pflegebereich sei das eine zu hohe Hürde, weil das Anfangsgehalt nur € 1740. - betrage.“


 


.... diese exemplarisch herausgezogene Artikel lassen sich bis 2005 fortsetzen. Das traurige daran, sie beziehen sich auf ein einziges Bundesland. In einem anderen Bundesland wurde ein Heim von der zuständigen Heimaufsicht behördlich geschlossen, dessen ungeachtet wurde es weitergeführt. Man bezahlte locker die Verwaltungsstrafe.


 


Forderungen nach universitärer Ausbildung, nach besserer Ausbildung,  nach besserer Bezahlung des Pflegepersonales sind immer wieder zu hören und zu lesen. Diese Forderungen sind berechtigt.


 


Was ist für ein Altenheim wichtig? Die Pflege, die wirtschaftliche Führung, der Bewohner?


 


Über den Kunden, sprich Bewohner, brauchen wir uns keine Gedanken machen. ER kommt von selbst, die gesellschaftliche und demographische Entwicklung sorgt dafür, dass es zu keinem Ausfall von potentiellen Kunden kommt. Alleine die Bezahlung der Leistungen durch den Kunden  kann problematisch werden.


Die Pflege ergibt sich in fachlich hochqualifizierte Ausbildungen, die dann kaum zu Anstellungen führen, da zu teuer und an der Basis nicht gebraucht.


Heimleitungen sind dem Diktat des Rechtsträgers unterworfen, was schlicht zu Einsparungen und Qualitätsverlust führt.


 


Ist das die Realität oder doch zu spitz formuliert ? Anstatt hier bissig zu werden, ist es angebracht praktikable Lösungen anzudenken und zur Diskussion zu stellen.


 


Darum fragen wir uns jetzt nicht was für ein Altenheim wichtig ist, sondern was ist ein Altenheim.  Es ist ein Dienstleistungsbetrieb, der Verantwortung und Verpflichtung, welche wir unserer älteren Generation schuldig sind, gerecht werden soll.


Ein Dienstleistungsbetrieb, der als Gesamtes funktionieren muss. Das bedeutet, dass nicht die Pflege, die Heimleitung  für sich alleine wirken, sondern beide gemeinsam und im Zusammenwirken für den Kunden/Bewohner tätig sind. Eine klare Organisationsentwicklung stellt die Grundlage für den Dienstleistungsbetrieb Altenheim dar. Beispielhaft genannt sind duale Führungsebene ( bereits angesprochen), klare Kompetenzverteilungen, Mitarbeiterverantwortung. Eins ist klar, die öffentliche Heime sollen soweit wie möglich kostendeckend wirtschaften, Die privaten Heime sollen Gewinne erzielen. Sie tragen auch das unternehmerische Risiko. Ein Altenheim ein Dienstleistungsbetrieb - ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen - der Gewinne bzw. kostendeckend arbeiten soll , unmöglich oder doch ?


 


Betrachtet man den strukturellen Aufbau eines Altenwohnheimes so ergeben sich folgende Ebenen: Heimleitung,  Pflegedienstleitung , Küche, Stationsleitung, Hilfskräfte. Bereits aus der Aufzählung lässt sich die geforderte Qualifizierung der angestellten Arbeitskräfte erkennen.


Heimleitung und Pflegedienstleitung bedürfen einer über die fachliche Qualifizierung hinausgehende Ausbildung. Küche und Stationsleitung eine fachliche Qualifizierung. Hilfskräfte eine fachbezogene Ausbildung. 


Sehen wir die Aufgaben der einzelnen Ebenen genauer an und fordern die entsprechende Qualifikation .


 


Heimleitung:


betriebswirtschaftliche Ausbildung mit Zusatzmodul Krankenpflege


 


Pflegedienstleitung:


Ausbildung in der allgemeinen Krankenpflege mit Diplomabschluss – Ausbildung im Management Zusatzmodul Betriebswirtschaft Zusatzmodul Gerontologie


 


Stationsleitung : allgemeine Krankenpflege mit Diplomabschluss, Ausbildung zur Stationsleitung Zusatzmodul Gerontologie


 


Hilfskräfte: AltenfachbetreuerIn und PflegehelferIn mit einer an der Krankenpflege orientierten Ausbildung.


 


Hieraus ergibt sich, dass Institutionen bis zu einer Größe von maximal 50 Bewohnern Heimleitung und Pflegedienstleitung in Personalunion geführt werden können.


Stationsleitungen haben in ihrem Verantwortungsbereich Eigenverantwortung und können die Hilfskräfte unterstützend und in deren Ausbildungsniveau einsetzen.


Institution mit mehr als 50 Bewohnern verfügen somit über Leitungen, die anhand ihrer Ausbildung ein gegenseitiges Wissen haben und duale Entscheidungen tragen.


 


Ausbildungen alleine führen jedoch nicht zu einer kostendeckenden und/oder gewinnorientierten Leitung einer Institution. Sie sind aber der Eckpfeiler, der den optimalen Einsatz des Personales zur  bewohnerorientierten Pflege, sowie den Spagat zur kaufmännischen Führung der Institution gewährleisten soll.


Heim und Pflegedienstleitungen sind in ihrer Führungsposition verantwortlich gegenüber dem Bewohner, dem Personal und dem Betreiber der Institution.  In ihren Entscheidungen sind diese Punkte mit gleicher Wertigkeit zu behandeln.


Qualitätsmanagement wir hier als Gesamtes betrachtet. Gute Pflege führt zur Bewohnerzufriedenheit. Diese wirkt sich direkt auf die Zufriedenheit des Personales aus.


 


Kooperationen mit sozialen Hilfsdiensten bis hin zum Aufbau eines Gesundheitssprengels sind weitere Maßnahmen, die zu reduzierten Kosten führen.


Bedarfsorientierte Fort - und Weiterbildungen , in Form von Indoor oder Outdoor Seminaren, erhalten und steigern die Qualität.


Inanspruchnahme von externen Hilfsmittel, wie z.B. Controlling, Unternehmensberatungen, dienen zur Unterstützung und  Optimierung der Prozesse. Heute werden sie noch als negatives Instrument gesehen.


Die hier genannten Denkanstöße und erheben keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit.


 


Ich möchte nochmals auf die von der Pflege  immer wieder geforderten höheren Ausbildung eingehen.


Die Ausbildung der Pflege hat sich nach dem Bedarf zu orientieren. Hier kann ich mir eine allgemeine Grundausbildung vorstellen. Aus dieser heraus ergibt sich dann eine Spezialisierung in die jeweiligen Fachbereiche.  Mittlere und obere Führungsebenen benötigen entsprechende Zusatzausbildungen, die bis zum akademischen Abschluss reichen können. Mit anderen Worten, hier ist dem Grundsatz der Modulausbildung zu folgen, der für alle in der Pflege tätigen Personen gelten soll.


 


Da es sich bei der Pflege um keinen statischen Prozess handelt, ist unbedingt die Pflegewissenschaft zu nennen. Sie bietet die Grundlage pflegerische Prozesse weiterzuentwickeln und diese der Praxis zur Nutzung zu übergeben.


 


Pflegeskandale werden sich in Zukunft auch nicht vermeiden lassen, hier ist der Faktor Mensch eine unsicher Variable. Man kann sie jedoch auf ein Minimum reduzieren, obwohl dieses Minimum noch zuviel ist. Dies kann nur geschehen, wenn man bereit ist sich den Entwicklungsprozessen zu stellen, auf Seiten des Betreibers als auch  auf politischer Ebene. Gesetzliche Vorgaben sind Kontroll- und Regelungsinstrumente. Mit dem Heimaufenthaltsgesetz hat man ein Schritt getan.


 


Abschließend ist anzuführen, dass Österreich nicht ein Land der Pflegeskandale ist. Es gibt sehr viele gut geführte Institutionen. Nach diesen sollte man sich  richten.


 


Das Gesundheitswesen ändert sich, die Pflege- und Heimleitungen sind daher gefordert ihrer Verantwortung in den Entscheidungsprozessen bewusst zu werden und diese wahrzunehmen.


 


HMK


http://www.hmkberatung.at

23.5.05 10:39
 


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